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„Kranichland“ <br>von Anja Baumheier

„Kranichland“
von Anja Baumheier

Buch der Woche

Es gibt Momente beim Lesen – oder wie in diesem Fall beim Hören des Hörbuches – wo mir ein Schauer eiskalt den Rücken hinunter läuft, weil die Geschichte eine Wendung nimmt, die ich nicht erwartet hätte. Diese unerwarteten, aber stimmigen Wendungen sind es, die eine gute Geschichte ausmachen. Und so hat mich „Kranichland“ von Anja Baumheier richtig gefesselt.

Ein wenig fühlte ich mich von meinem Buch der Woche an meinen Berlin-Besuch in der 11. Klasse erinnert. Damals haben wir auch das Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen besucht. Ich erinnere mich, dass auch unsere Gruppe von einem ehemaligen Häftling geführt wurde. (Im Buch gibt es eine Szene, in der Theresa das Gefängnis besucht). Mir wird die Kälte dieses Ortes immer in Erinnerung bleiben, auch wenn das Gesicht des Führers und viele Bilder längst verblasst sind. Und auch wenn nur ein sehr kleiner Teil des Romans in diesem Gefängnis spielt, war es dieses Gefühl der Kälte, das mir Marlene so nah gebracht hat.

Die Geschichte spannt einen Bogen von 1946, als sich Elisabeth und Johannes kurz nach dem Krieg kennen und lieben lernen, bis ins Berlin von heute, als nach dem Tod der seit langem totgeglaubten Tochter Marlene viele Fragen und Geheimnisse auftauchen, die ihre Schwestern Theresa und Charlotte ergründen.

„Kranichland“ erzählt anhand des bewegenden Schicksals der Familie Groen fast achtzig Jahre deutsche Zeitgeschichte: von Bombennächten und Vertreibung, Wiederaufbau und Gründung der DDR, über das geteilte Deutschland und die Wende bis heute.

Eine lesenswerte Familiengeschichte, spannend und unterhaltsam, traurig und schön.

Von Melena