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„Der Schrecken verliert sich vor Ort“ <br>von Monika Held

„Der Schrecken verliert sich vor Ort“
von Monika Held

Buch der Woche

Gerade türmen sich bei mir gelesene Bücher, die ich unbedingt vorstellen will. Zum Teil, weil ich wieder richtig lesen „kann“ (wer nachts ab und zu länger als zwei Stunden am Stück schlafen darf, kann abends deutlich länger lesen). Zum anderen, weil ich gerade wirklich Glück habe mit der Auswahl meiner Bücher. Eines nach dem anderen ist so gut, dass ich gar nicht aufhören kann – und gerne mal die Überweisungen aufschiebe, um zu lesen, während das Buchhandlungsbaby schläft! Und dann kommt nun auch noch ein so wunderbares Buch als Taschenbuch heraus, das ich Euch als gebundenes Exemplar vorenthalten habe, weil es als ich es gelesen habe, nicht mehr ganz aktuell war und irgendwie immer ein neueres Buch wichtiger erschien… Tja, da bleibt nur, die anderen Bücher noch ein wenig warten zu lassen und Euch endlich „Der Schrecken verliert sich vor Ort“ von Monika Held ans Herz zu legen.

Als Lena auf den Zeugen aus Wien trifft, weiß sie, dass sie diesen Mann festhalten muss. Auf den ersten Blick haben Lena und Heiner nicht viel gemeinsam. Sie träumt von Ferien in der Südsee. Heiner verbringt die Nächte mit den Schrecken von Auschwitz. Die beiden wagen diese Liebe. Lena fragt sich, ob sie die Welt, in der ihr Mann zuhause ist, je verstehen wird. Heiner fragt sich, wie er sein Trauma aus Bildern und Geräuschen möglichst vollständig in den Kopf seiner Frau übertragen kann und ob es eine Grenze gibt, bis zu der man Erfahrungen weitergeben kann. Sollte er sie finden, wird er sie einreißen.

Ihr werdet es schon bemerkt haben: Ich lese gerne Bücher, die richtig unter die Haut gehen. Sie dürfen mich richtig aufwühlen, zum Weinen und Lachen bringen, aber sie dürfen nicht oberflächlich sein. Ich weiß, dass diese Art Bücher nicht für jeden etwas sind, aber für mich sind das die guten Bücher! Bei Monika Held gibt es fast auf jeder Seite einen Satz, den ich rot markieren will, weil er mich ganz tief trifft. Noch heute – fast zwei Jahre nachdem ich dieses Buch gelesen habe – läuft es mir bei der Erinnerung eiskalt den Rücken hinunter. Und trotzdem birgt diese Geschichte vor allem eine wunderbare, intensive Liebesgeschichte, die so viel mehr bietet als ein Happy End. Sie zeigt, wie stark Liebe sein kann!

Von Melena